Leben auf Sizilien
26. November 2025

Italien, der Tod und ich – ein persönlicher Blick

Gerade eben habe ich eine Instagram-Story meiner Freundin Raphaela von Rundum Sizilien gesehen.

Sie erzählt, dass sie heute das erste Mal auf Sizilien eine Sterbeanzeige von einer Person gelesen hat, die sie kannte. Und sie hat auf ihren Blogbeitrag hingewiesen, den sie vor einiger Zeit über den Tod auf Sizilien geschrieben hat. Hier ist er – schaut gern rein, er ist wirklich spannend.

Der heutige 26.11.2025 ist für mich ein besonderes Datum, das direkt mit diesem Thema zu tun hat.

Heute vor 15 Jahren ist mein deutscher Mann gestorben, mit dem ich 2006 nach Italien ausgewandert bin. Zwei richtig glückliche Jahre hatten wir zusammen in Brixen, aber zwei Jahre waren dann leider von seiner Krankheit geprägt.

Mit seinem Tod in Italien habe ich – genauso wie Raphaela es beschreibt – eine andere Kultur des Sterbens kennengelernt. In Deutschland war das für mich immer ein Thema, das irgendwie im Hintergrund stattfand. Gestorben wurde eher „heimlich“, vieles lief anonym und zurückhaltend ab.

Komplett neu war für mich, dass der Verstorbene, wenn er zu Hause gestorben ist, tatsächlich noch einige Zeit dort bleibt… zum Verabschieden, um ihn noch ein Stück bei den Lieben zu lassen.

Dann hatte ich erst einmal einige Jahre zum Glück nichts mehr mit dem Thema zu tun. Wir sind ja immer froh, wenn geboren wird, aber nicht, wenn gestorben wird.

Im Jahr 2022 bin ich nach Sizilien umgezogen, habe mich wieder verliebt, in Alfonso gebürtig aus Kampanien und wir sind zusammen nach Scicli gezogen. Wir hatten gerade erst den Mietvertrag mit Michele und Lucia, den Besitzern unseres Hauses, unterschrieben, als wir erfuhren, dass Michele verstorben ist.

Das bedeutete: unsere erste Beerdigung auf der Insel.

Vielleicht lag es daran, dass Michele ein Freigeist, ein aussergewöhnlicher und weitblickender Mensch war – jedenfalls war die Trauerfeier ganz anders als ich erwartet hatte. Irgendwie hatte ich mit einer schweren, düsteren, stark religiösen Beerdigung gerechnet. Stattdessen hielt seine Tochter, eine moderne junge Frau und Mutter, eine kraftvolle, sehr persönliche Rede. Sie erzählte Anekdoten aus seinem Leben, auch lustige – es wurde gelacht. Genau so hatte ich damals auch die Trauerfeier für meinen Mann gestaltet.
Und viele waren gar nicht komplett schwarz gekleidet. Es fühlte sich insgesamt leichter an, als ich es aus Deutschland kannte.

Mit dem Tod von Alfonsos Vater vor zwei Jahren bekam ich dann einen weiteren Einblick in die Kultur des Sterbens in Kampanien. Das Familiengrab ist eine Art kleines Haus, mit großer Glasfront und Glastür. Dahinter stehen die Särge der Familie hinter Marmorplatten übereinander, neuerdings auch Urnen, und es gibt sogar ein „Kellergeschoss“.

Im Glashaus hat jede Familie ihre Blumen, Pflanzen oder kleine Statuen stehen.

Am Eingang des Friedhofs gibt es ein riesiges Schlüsselbrett – wie an der Rezeption eines Hotels – und dort holt man sich den Schlüssel des Familiengrabes, wenn man Blumen gießen oder seine Lieben besuchen möchte.

Und das Außergewöhnlichste für meinen Geschmack sind die Friedhofs-Hochhäuser in der Peripherie von Neapel. Weil der Platz für konventionelle Friedhöfe nicht mehr ausreicht, hat man Hochhäuser mit Fahrstuhl gebaut. Darin befinden sich die Wandnischen der Gräber, es gibt Blumenautomaten, Wasserstellen, sogar Bänke.

Das ist im Süden Italiens offenbar weit verbreitet. Auch hier auf Sizilien, in Catania und Palermo, gibt es solche Gebäude. Ich habe sie selbst noch nicht bewusst gesehen – vielleicht, weil sie auf den ersten Blick einfach wie normale Wohnhäuser aussehen.

Damit liegen im Prinzip hier im Süden Leben und Tod relativ nah beieinander, wenn die Toten fast genauso “wohnen”, wie die Lebenden. Klar ist auf alle Fälle, dass mit dem Sterben etwas anders umgegangen wird, als ich es von früher kannte.