Reisebüro News
10. Februar 2026

Massentourismus

…oder warum reisen eigentlich alle zur gleichen Zeit an den gleichen Ort?

Ja warum?

Es muss doch eine Erklärung geben, wieso zum Beispiel Orte wie der Pragser Wildsee, das kleine Kirchlein in St. Magdalena in Südtirol, der Strand von San Vito Lo Capo auf Sizilien, die Amalfi Kueste, Alberobello in Apulien, die Küste Albaniens und und und (die Liste, die man aufzählen könnte ist leider unendlich lang) von Menschenmassen überrollt werden. 

Irgendwann begann der Tourismus doch ganz klein, oder? 

Am Anfang steht ganz oft die Entdeckung durch Rucksacktouristen.

Rucksacktouristen sind die Pioniere, sie reisen individuell, sind neugierig und offen, brauchen keine Infrastruktur. 

Sie suchen günstige Unterkuenfte an Orten, die (noch) nicht touristisch sind, knüpfen lokale Kontakte. 

So entstehen dann erste Guesthouses und man gibt sich informelle Empfehlungen („geh da hin, nicht dort“)

Was passiert dann? 

Es folgt die Erschließung, Orte werden bekannt, es entsteht Infrastruktur (Straßen, Fähren, Flüge).

Jetzt wird der Ort planbar, kalkulierbar, „buchbar“ und genau ab dem Zeitpunkt wird es für Reiseveranstalter interessant.

Nun kommen Pauschalangebote, man braucht immer grössere Hotels, Küsten werden dafür verbaut und die Marketingtrommel wird gerührt, man spricht von „unentdeckt“ und „Geheimtipps“.

Die Preise steigen, der Schritt zum Massentourismus ist vollzogen und der Backpacker zieht logisch weiter.

Nach einiger Zeit kommt dann der Übergang zur sogenannten „Ermüdung“.

Die Landschaft/ Strände verlieren ihren Reiz, Ortskerne haben keine Alltagsfunktionen mehr, Einheimische werden verdrängt, Gastronomie wird austauschbar, Unterkünfte konkurrieren nur noch über Preis, Qualität sinkt, Quantität steigt.

Der Ort hat nicht mehr das, was ihn ursprünglich interessant gemacht hat.

Typische Beispiele dafür sind für mich Athen und Neapel. Innenstädte, die leider ihre ursprüngliche Seele verloren haben, wo sich Gassen in „Fressmeilen“ verwandeln…

Und dann passiert etwas Entscheidendes:

Nicht nur der Individualreisende zieht weiter – auch der Pauschaltourist, vor allem der, der Qualität und Exklusivität sucht.

Schliesslich kommt noch der Einfluss von Social Media hinzu. 

Dadurch beschleunigt sich der ganze Zyklus dramatisch.

Was früher Jahrzehnte gedauert hat (Backpacker → Pauschaltourismus → Ermüdung), passiert heute oft in wenigen Jahren – manchmal in wenigen Saisonen. Ein ernst zu nehmendes Beispiel ist die Situation an der albanischen Küste. Von „Geheimtipp“ zu Masse war es nur ein Wimpernschlag…

 

Der moderne Backpacker heißt Influencer und entdeckt einen Ort, postet ihn auf Instagram, TikTok oder YouTube und erzeugt sofort: Bilder, Reels, „Hidden Gem“-Narrative.

Entdeckung wird öffentlich.

Früher erzählte man: „Ich war an einem besonderen Ort.“

Heute heißt es: „Schau, wo du auch hinmusst.“

Ein Ort ist sofort weltweit markiert!

Und jetzt kommen Tagesbesucher, Kurzzeitgäste, Checklisten-Reisende…

Das Problem ist nicht das Reisen, sondern die Maßlosigkeit. 

Einerseits bei denen, die mit Tourismus Geld verdienen:

durch ständig steigende Bettenzahlen, Vermietung von Wohnraum an Touristen, Reiseveranstalter die ständig von Wachstum sprechen…

und andererseits Maßlosigkeit beim Reisenden:  

Wunsch nach Reisekonzepten wie Kreuzfahrten mit immer größer werdenden Schiffen oder durch blindes Folgen von Trends und der neuen Mode unbedingt das eine Foto auch gemacht zu haben, was schon vorher Millionen andere gemacht haben…

Makaberes Beispiel dazu ist das Schlangestehen für das perfekte Foto des Sonnenuntergangs auf Santorin. 

Wie stoppt man das, oder kann man das überhaupt stoppen? 

Zuerst das Wichtigste: Du als einzelner Reisender „rettest“ keinen Ort und das musst du auch nicht.

ABER… Was man als Reisender tun kann:

Viele Orte, die heute als „überlaufen“ gelten, sind nicht deshalb so gefragt, weil sie die einzigen schönen oder interessanten sind.

Sie sind sichtbar geworden – durch Medien, durch Bilder, durch Geschichten, die sich vervielfältigt haben.

Gleichzeitig gibt es oft weniger bekannte Alternativen in derselben Region. Orte mit ähnlicher Landschaft, ähnlicher Atmosphäre, ähnlicher Geschichte – nur ohne das Narrativ des „Muss-man-gesehen-haben“.

Oft geht es nicht darum, weniger zu reisen – sondern anders zu wählen, oder die Augen wieder selbst für Schönheit zu öffnen ohne vorgelebte Fotos.

Und was ich selbst als Reiseberaterin tue:

  1. Ich bin Weltklasse im Alternativen anbieten. ;-)

Ich lebe auf Sizilien und bin Spezialistin für Italien und Griechenland, wenn deine Gedanken nur bei bekannten Städten, Dörfern, Stränden hängenbleiben, bin ich die, die dir von Orten vorschwärmen wird, von denen du wahrscheinlich noch nie etwas gehört hast. Genau für diese Reisesituationen biete ich dir meinen Traveldesign- Service an… individuell reisen, langsam reisen…SLOW TRAVEL

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  1. Ich teile nicht alle meiner persönlichen „Entdeckungen“ auf Social Media.

Ich habe schon vor einigen Jahren beschlossen, nicht jeden Ort zu taggen, nicht jede Bucht beim Namen zu nennen, nicht jeden „Geheimtipp“ öffentlich zu multiplizieren.

Empfehlungen auf Instagram wie „Die 5 schönsten Strände in Italien“ oder „Die 5 Geheimtipps in Griechenland“ usw. werdet ihr bei mir nie sehen. 

Sichtbarkeit ist heute eine Ressource, die nicht um jeden Preis ausgeschöpft werden sollte.

Was meinst du, könnten wir reisetechnisch zusammenpassen?