Reisebüro News
14. Mai 2026

Ciao Ciao Reisebüro?!

Wenn ich erzähle, dass ich ein Reisebüro betreibe, sehe ich inzwischen oft diesen leicht schrägen Blick. Ein bisschen irritiert. Als hätte ich gerade gesagt, ich repariere Schreibmaschinen oder verkaufe Faxgeräte.

Als ich 2008 angefangen habe, diesen Beruf zu lernen, war ein Reisebüro ein Ort mit Regalen voller Kataloge. Dicke Wälzer für Sommer, Winter, Fernreisen, Kreuzfahrten. Hotels wurden auf einer halben oder sogar nur einem Drittel einer Seite präsentiert, mit Fotos, die so klein waren, dass man als Reisender viel Fantasie brauchte. Es gab viel Text und man brauchte Vorstellungskraft.

Videos vom Zielgebiet? Fehlanzeige. 360-Grad-Rundgänge? Undenkbar. Unsere Informationsquellen waren Reisereportagen im Fernsehen, eigene Inforeisen, Fotos auf CD oder USB-Stick – und vor allem unsere Erzählungen.

Auf den Webseiten der Reiseveranstalter konnte man theoretisch schon selbst buchen, doch das war eher die Ausnahme als die Regel. Online-Zahlungen waren für viele noch mit Unsicherheit verbunden. Verfügbarkeiten wurden häufig per Anfrageformular abgeklärt. Nur wenige Hotels hatten damals einen echten Online-Buchungskalender mit sofort sichtbaren Preisen.

Die Reiseunterlagen kamen in Papierform per Post ins Büro. Der Kunde setzte sich an den Tisch, wir gingen alles gemeinsam durch, erklärten, besprachen, markierten. Man war als Reisender durchaus noch auf ein Reisebüro angewiesen. Die Konkurrenz war nicht das Internet, sondern das Reisebüro zwei Straßen weiter. Kunden ließen sich beraten und entschieden sich dann für den Mitarbeiter, bei dem sie sich am besten aufgehoben fühlten.

Der Start in den Urlaub hatte noch etwas Abenteuerliches. Man verfügte über einige Informationen, aber sie basierten auf wenigen Bildern, einem Katalogtext und vielleicht einer persönlichen Erfahrung des Beraters. HolidayCheck existierte zwar schon, war aber noch längst nicht die selbstverständliche Entscheidungsinstanz von heute.

Zehn Jahre später, 2018, war die Situation grundlegend anders. Smartphones waren längst selbstverständlich, HolidayCheck und Tripadvisor wurden konsultiert wie medizinische Zweitmeinungen, und Instagram zeigte uns, wie ein perfekter Strand auszusehen hat. Plötzlich war alles verfügbar. 

Damit hatte sich auch meine Rolle verändert. Ich war nicht mehr primär Informationsquelle, sondern Filter, Qualitätsprüferin, Einordnerin. Die Frage, die immer häufiger gestellt wurde, lautete: „Warum soll ich das nicht selbst buchen?“ Und sie war berechtigt. Vieles konnte man tatsächlich selbst buchen.

Also bestand mein Mehrwert in etwas anderem: Erreichbarkeit, Erfahrung, das Mitdenken. Ich wurde zur mobilen Reiseberaterin, beantwortete Nachrichten am Abend auf der Couch, stellte am 24. Dezember noch Angebote zusammen und arbeitete auch im eigenen Urlaub. Offene Ohren, Fachwissen und vor allem ständige Erreichbarkeit waren die Werkzeuge, mit denen ich argumentieren konnte.

 

Heute, 2026, ist der durchschnittliche Reisende technisch versiert. Er weiß, wie man Preise vergleicht, Bewertungen liest, mit künstlicher Intelligenz Routen plant. Eine Pauschalreise zu buchen, ist kein Hexenwerk mehr. Selbst komplexere Reisen lassen sich online zusammensetzen. Für jedes Bedürfnis gibt es einen spezialisierten Anbieter.

Information ist heute nicht mehr knapp. Sie ist grenzenlos.

Ich habe irgendwann aufgehört, mich darüber zu ärgern, dass Kunden Preise vergleichen. Natürlich tun sie das. Das würde ich auch. Ich habe auch aufgehört, mich über das Internet als Konkurrenz zu definieren. Es ist kein Gegner. Es ist Realität.

Ich bin inzwischen überzeugt, dass das klassische Reisebüro, wie es vor zwanzig Jahren funktionierte, nicht mehr zurückkehren wird. Es wird weiterhin hervorragende Berater geben, die mit Kompetenz und enger Kundenbindung arbeiten. Aber der Beruf hat ein Nachwuchsproblem, und die Branche kämpft mit Veränderungen, die sich nicht aufhalten lassen.

Für mich hat sich daraus eine klare Konsequenz ergeben. Ich möchte nicht länger innerhalb der engen Grenzen von Veranstalterangeboten arbeiten und verkaufen, was gerade im System verfügbar ist. Der Reisende hat im Internet oft eine größere Auswahl als ich sie ihm als Vermittlerin präsentieren kann. Warum sollte ich ihn also in ein Raster drängen?

Die viel zitierte „heilige Pauschalreise“ wird oft als Rettungsanker dargestellt. Natürlich hat sie ihre Vorteile, doch in Krisensituationen sind auch Veranstalter überlastet, Hotlines nicht erreichbar, Antworten lassen auf sich warten. Persönliche Betreuung wird zunehmend durch Callcenter und Chats ersetzt. Die Realität ist komplexer, als es Werbeversprechen suggerieren.

Voriges Jahr habe ich mich daher entschieden, meine Erfahrung, meine Ortskenntnisse, meine Ideen und meine Kreativität nicht mehr an eine Provision zu knüpfen, sondern an ein Honorar. So wie es in vielen anderen Berufen selbstverständlich ist, für Zeit und Expertise bezahlt zu werden. Ob ich keine Angst vor dem Schritt hatte? Oh ja, die war sogar riesig, aber andererseits wusste ich dass es der richtige Schritt war. Als ich 2008 begonnen habe als Reisebüro online zu arbeiten, bin ich auf viel Skepsis gestossen und mittlerweile ist die Tätigkeit eines mobilen Reiseberaters normal…

Ob das, was ich mache, noch „Reisebüro“ heißt oder nicht, keine Ahnung…deshalb habe ich mein “Baby” Traveldesign getauft…ein Name, an den man sich erst gewöhnen muss! 

2008 habe ich mit Kunden Kataloge durchgeblättert.

2018 habe ich begonnen mobil zu arbeiten 

Heute arbeite ich ruhiger, klarer und ehrlicher als je zuvor.

 

Nicht für jeden. Aber das war ich noch nie.